Madrabours Eck

De Vile


Als der Geschäftsmann Peter R. an diesem Tag seinen Briefkasten leerte, fand er diesen ungewöhnlich leer voll. Genaugenommen fand er nichts weiter vor als eine Visitenkarte. Üblicherweise war der Briefkasten täglich mit Werbung und Geschäftspost gefüllt, meist war auch noch eine oder mehrere Postkarten einer seiner vielen Liebschaften dabei oder ein Brief von seiner Mutter.
Herr R. entnahm dem Briefkasten die Visitenkarte und wurde nach der fehlenden Post vor ein weiteres Rätsel gestellt: Außer DE VILE stand da nämlich gar nichts auf der Karte. Merkwürdig. Was soll De Vile wohl bedeuten. Vieleicht ja irgendein Werbegag einer neuen Firma names 'De Vile' und er würde nun jeden Tag immer neue kleine Hinweise finden, bis man irgendwann dem gespannten Publikum irgendein neuartiges Produkt präsentierte. Seine eigene Firma hatte ja gelegntlich auch schon mit solchen Tricks gearbeitet.
Herr R. grübelte, um was für ein Produkt es sich wohl handeln konnte. Vieleicht ging es auch nicht direkt um ein Produkt sondern um Immobilien. De Vile klingt ja nach Villa, vieleicht in irgendeiner ihm unbekannten Fremdsprache. Anderseits bedeutete das Wort 'vile' im Englischen soviel wie gemein oder ekelhaft. Und wer würde sein Produkt schon als ekelhaft bezeichnen. Obwohl die Werbeindustrie natürlich heutzutage vor nichts zurückschreckte, wenn es darum geht, einen bestimmten Effekt zu erzielen.
Möglich wäre ja auch ein neuer Film aus dem Horror-Bereich, dann wären Attribute wie gemein oder ekelhaft ja eventuell angebracht. Allerdings wußte Herr R. nicht genau, ob man vile auch als Substantiv benutzen konnte, worauf ja der Artikel 'de' hinweisen würde. Müßte es dann nich auch 'the' heißen, dachte Herr R. Aber er war sich ja nicht mal sicher, ob es sich überhaupt um englisch handelte.
Als Herr R. die Augen etwas zusammenkniff, laß er plötzlich die zusammengezogenen Worte als 'DEVIL'. Teufel! Da er Herr R. in keinster Weise an solchen Humbug glaubte, kam Herr R. allmählich zur Überzeugung, daß sich wieder mal eines der Kinder aus der Nachbarschaft einen dummen Streich erlaubt hatte. Kopfschüttelnd beschloß Herr R., daß er schon viel zu viel Zeit mit der Karte vergeudet hatte und warf die Karte beim betreten seiner Wohnung in den Papierkorb. Daran, daß der Briefkasten ansonsten leer gewesen war, dachte Herr R. nicht mehr.

Genau eine Woche später fand Herr R. seinen Briefkasten erneut fast leer vor. Nur eine dünnes Briefchen im ansonsten leeren Innenraum des Briefkastens. Verwundert riß Herr R. den Umschlag auf und und holte einen mit wenigen Zeilen bedruckten Zettel heraus:

Sehr geehrte Damen und Herren,

da meine letzte Visitenkarte bei einigen meiner Kunden etwas für Verwirrung gesorgt hat, habe ich mich entschlossen, neue Visitenkarten erstellen zu lassen. Als Anlage finden Sie eine dieser Karten.

Es grüßt Sie ergebenst
Ihr Sir De Vile

Als Herr R. den Briefumschlag umdrehte und ausschüttelte, fiel eine Visitenkarte heraus. Wie letzte Woche war auch hier wieder fett DE VILE aufgedruckt, doch in kleinen, zierlichen Lettern fand sich eine weitere Zeile: Ihr freundlicher Posträuber.


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Letze Änderung: 20.11.2009

Zitat der Woche:

Im Übrigen gilt ja hier derjenige, der auf den Schmutz hinweist, für viel gefährlicher als der, der den Schmutz macht.


Kurt Tucholsky
Visitenkarten in der Kurzgeschichte De Vile
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